Montag, 15. Juni 2009

Unpersönlich



Das Leben verschafft uns nicht immer die positiven Gefühle, die wir uns wünschen. Manchmal gibt es Zeiten, in denen nur noch wenige Begebenheiten angenehm erscheinen. An der Art und Weise, wie wir damit umgehen, ob wir hadern und schimpfen oder ob wir unser Schicksal annehmen können, zeigt sich, ob und wie wir uns entwickelt haben. Die Ereignisse nicht mehr auf sich persönlich zu beziehen, scheint einer der schwierigsten Aufgaben für uns zu sein.

In der Arbeit mit dem Enneagramm habe ich festgestellt, dass sich eine Typisierung innerhalb von 10 Jahren drei mal geändert hat. So kann ich das nur als Reaktionen auf die jeweilige Lebenssituation betrachten und nicht als statische Charakterisierung. Die Eigenschaften der "Person", die sich kürzlich noch sehr darum bemüht hat, zu gefallen, alles richtig zu machen, zu kontrollieren, zu planen, abzuwägen, zu hoffen, oder sich zu fürchten, kann sich also insofern verändern, wie es die jeweilige Lebenssituation erfordert…

Das Leben verläuft nicht unbedingt besser, wenn es nicht mehr aus der Perspektive der (scheinbar) selbstbestimmenden Persönlichkeit betrachtet wird. Es ist mehr so, dass sich die Betrachtungsweise der Ereignisse verändert, weil zum Beispiel keine vergleichende oder angstbesetzte Rückkopplung mit der Vergangenheit mehr stattfindet. Daraus können andere Empfindungen entstehen, die zum Beispiel dafür sorgen können, dass eine blockierte Beziehung sich entkrampft und neu belebt wird.

Diese neue Wahrnehmungsperspektive kann auch allerdings dazu führen, dass das Gefühl entsteht, als wären zwei verschiedene Wesen am eigenen Erleben beteiligt: Einer, der agiert und fühlt und kämpft und hadert und denkt und sucht….. – und auf der anderen Seite der Andere, der einfach nur beobachtet und wahrnimmt.

Doch das Gefühl der Trennung zwischen diesen beiden „Aspekten“ verschwindet, wenn der scheinbar Agierende aufhört, über das, was passiert, nachzudenken.

Der freie Wille, über den oft diskutiert wird, erlebe ich in einer Weise, dass ich nur noch zu entscheiden vermag, ob ich etwas unterlassse, wovon ich glaube, dass es mir schaden könnte. Doch sollte dies mit einer großen Anstrengung, sprich: Unterdrückung verbunden sein, kann es sein, dass ich es dennoch geschehen lasse.

Wer weiss denn schon, was das "Richtige" für ihn ist.
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Bild von klapeg: "Wurfobjekt"

Kommentare:

  1. Denken ist gut, Nach-Denken weniger gut bis schlecht, und grübeln ist krankhaft. Und die spontane Intuition weiß immer, was im Moment 'richtig' richtig ist...

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  2. selbst diese entscheidung - etwas zu unterlassen - obliegt auch nicht dem "freien" willen. Es geschieht, oder es geschieht nicht. beides ist gleich. es gibt nur scheinbar einen "freien" willen. aber das ist völlig egal. Es geschieht nur das, was geschehen will

    love

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  3. Dank und Liebe für Euch...

    She's

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