Freitag, 14. Juni 2019

Ein Moment


fotografieren bei regen tipps


Das Wasser rauscht.

Es ist dunkel geworden. Durch die dicken Regenwolken dringt nur noch wenig Licht.
Ich genieße das Geräusch und stehe am offenen Fenster; den Rollladen zur Hälfte heruntergelassen, damit es nicht hineinregnet.

Wie gern würde ich jetzt einen Spaziergang machen, aber ich habe die Zeit nicht. Die Pflicht ruft.

Das Wasser regnet wie in langen Bindfäden herunter. Das Rauschen in den Bäumen dringt tief in mich. Ich will ihn spüren, den Regen, und halte meine Hand aus dem Fenster. Dicke, leichte Tropfen regnen in meine Hand und ich wundere mich, wie sanft und warm der Regen sich anfühlt. Das hätte ich nicht gedacht! Wie ein Streicheln, irgendwie kühl und doch wieder warm ist das Wasser. Meine Hand wird gar nicht so sehr naß – das meiste fällt vorbei…

Ich könnte stundenlang hier stehen, lauschen, schauen, genießen. Der Regen tut so gut, wie ein Labsal. Als wäre ich wie eine Pflanze oder die trockene Erde, die den Regen freudig willkommen heißt und sich wohlig durchströmen lässt vom lebensspendenden, kaum kühlenden Naß. Wie kann man sich in solchen Momenten nach Sonne sehnen, nach glühender Hitze und Austrocknung?
Nein, nicht das, nicht jetzt.

Ich liebe den Regen, so sanft, so berauschend, ein Wohlklang, eine Wohltat. Ich bin eins mit dem Regen, mit der Erde und mit der Welt! Berauscht! Beglückt!

Ich gehe noch nicht, bleibe noch etwas, stehle mir noch einen kleinen Moment beglückenden Seins.
Regen.



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